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Authority Content – Ehrliche Beratung

Wann sich Individualsoftware NICHT lohnt

Ein ehrlicher Leitfaden für Entscheider. Von einem Unternehmen, das Individualsoftware baut – und trotzdem oft davon abrät.

Jede Woche erreichen uns Anfragen von Unternehmen, die „endlich eine eigene Software" wollen.

Die Gründe klingen immer ähnlich: Excel ist zu langsam, die bestehenden Tools passen nicht, der Wettbewerb hat auch was Eigenes.

In etwa der Hälfte dieser Gespräche sagen wir: Baut keine Individualsoftware.

Nicht weil wir keine Aufträge wollen. Sondern weil wir seit 20 Jahren sehen, was passiert, wenn Firmen zu früh, zu gross oder aus den falschen Gründen in Custom Development investieren.

Dieser Artikel zeigt, wann Individualsoftware keinen Sinn macht – und wann sie der richtige Schritt ist.

5 Situationen, in denen Individualsoftware keinen Sinn macht

Ihre Prozesse sind noch nicht stabil

Das Problem:
Sie wissen noch nicht genau, wie Ihr Prozess in 12 Monaten aussehen wird. Rollen ändern sich, Zuständigkeiten sind unklar, der Ablauf wird regelmässig angepasst.

Was passiert bei Custom Software:
Sie bauen Software für einen Prozess, der sich noch verändert. Nach 6 Monaten passt die Software nicht mehr. Anpassungen kosten Zeit und Geld. Frustration entsteht.

Besser:
Prozess erst mit einfachen Tools stabilisieren. Excel, Notion, Trello. Wenn der Ablauf 6 Monate lang gleich läuft: dann über Software nachdenken.

Wenn Sie den Prozess nicht in 30 Minuten auf ein Whiteboard zeichnen können, ist er noch nicht reif für Software.

Ein SaaS-Tool deckt 80 % ab

Das Problem:
Es gibt bereits Software am Markt, die 80–90 % Ihrer Anforderungen erfüllt. Die fehlenden 10–20 % fühlen sich wichtig an – sind es aber oft nicht.

Was passiert bei Custom Software:
Sie investieren 30.000–80.000 € um 100 % Passgenauigkeit zu bekommen. Dafür verzichten Sie auf: automatische Updates, Support-Community, bewährte Sicherheit, sofortige Verfügbarkeit.

Besser:
SaaS nutzen und Prozesse leicht anpassen. Die meisten „unverzichtbaren" Sonderwünsche sind nach 6 Monaten vergessen.

Rechenbeispiel:

Option Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Gesamt
SaaS (200 €/Monat) 2.400 € 2.400 € 2.400 € 7.200 €
Custom Software 35.000 € 5.000 € 5.000 € 45.000 €
Wenn ein SaaS-Tool 80 % kann und unter 500 €/Monat kostet: Nutzen Sie das SaaS.

Das Budget liegt unter der kritischen Schwelle

Das Problem:
Für sinnvolle Individualsoftware brauchen Sie mindestens 15.000–20.000 € für ein fokussiertes Projekt. Unter 10.000 € wird es fast immer ein Kompromiss, der später teuer wird.

Was passiert bei zu kleinem Budget:

  • Wichtige Features werden gestrichen
  • Sicherheit wird „später gemacht"
  • Dokumentation fehlt
  • Support endet nach Projektabschluss

Besser:
Warten, bis das Budget da ist. Oder mit Prozessautomatisierung (5.000–10.000 €) statt einer kompletten Anwendung starten.

Realistische Budgets:

Projekttyp Realistisches Budget
Einfache Automatisierung 5.000 – 10.000 €
Fokussierte Anwendung 15.000 – 30.000 €
Integrierte Plattform 30.000 – 80.000 €
Komplexes System 80.000 – 200.000 €

Sie wollen „wie der Wettbewerber" sein

Das Problem:
Der Wettbewerber hat eine eigene App. Also brauchen Sie auch eine. Ohne klare Analyse, ob die App beim Wettbewerber überhaupt funktioniert.

Was passiert:
Sie kopieren Features, die vielleicht gar keinen Nutzen bringen. Sie bauen Software aus Image-Gründen statt aus Business-Notwendigkeit.

Besser:
Fragen Sie: Welches konkrete Problem löst die Software? Wie viel Zeit/Geld spart sie? Gibt es messbare Kennzahlen?

„Weil die anderen das haben" ist kein Businesscase.

Ihre Excel-Lösung funktioniert eigentlich

Das Problem:
Die Excel-Tabelle ist unübersichtlich, aber sie funktioniert. Niemand verliert Daten. Die Arbeit wird erledigt.

Was passiert bei Custom Software:
Sie ersetzen ein funktionierendes System durch ein neues. Das Team muss umlernen. Es gibt eine Übergangsphase mit Fehlern. Nach 6 Monaten macht die Software das Gleiche wie Excel – nur komplizierter.

Besser:
Excel optimieren. Strukturieren. Vielleicht ein Add-In nutzen. Oder nur den kritischsten Teil automatisieren.

Wann Excel wirklich nicht mehr reicht:
  • Mehr als 3 Personen arbeiten gleichzeitig an denselben Daten
  • Fehler durch manuelle Eingabe kosten mehr als 5.000 €/Jahr
  • Compliance-Anforderungen erfordern Audit-Trails
  • Externe Systeme müssen automatisch angebunden werden

Der ehrliche Kostenvergleich

SaaS: Die versteckten Kosten

Kostenfaktor Typisch
Lizenz pro User/Monat20–200 €
Premium-Features+50–100 %
API-ZugangOft extra
DatenexportManchmal limitiert
SchulungSelbst organisieren
AnpassungOft nicht möglich

Langfristig (5 Jahre, 10 User, 100 €/User): ca. 60.000 € + Wechselkosten wenn Tool nicht mehr passt

Custom Software: Die versteckten Kosten

Kostenfaktor Typisch
Entwicklung15.000 – 80.000 €
Hosting/Jahr600 – 3.000 €
Wartung/Jahr10–20 % der Entwicklung
SicherheitsupdatesLaufend
Feature-ErweiterungenNach Aufwand
DokumentationEinmalig + Updates

Langfristig (5 Jahre, Entwicklung 40.000 €): 40.000 + 15.000 (Hosting) + 30.000 (Wartung) = ca. 85.000 €

Wann sich Custom lohnt – die Break-Even Rechnung:
  • SaaS-Kosten > 1.500 €/Monat (18.000 €/Jahr)
  • Oder: Prozesseffizienz spart > 30.000 €/Jahr
  • Oder: Wettbewerbsvorteil ist klar messbar
  • Oder: Compliance/Datenschutz macht SaaS unmöglich

Entscheidungsmatrix

Situation Empfehlung
Prozesse noch instabil Warten, erst stabilisieren
SaaS deckt 80 % ab, <500 €/Monat SaaS nutzen
Budget < 15.000 € Automatisierung statt Vollsoftware
„Weil Wettbewerber" Erst Businesscase prüfen
Excel funktioniert Excel optimieren
SaaS > 1.500 €/Monat, steigende Kosten Custom prüfen
Prozess einzigartig, nicht abbildbar Custom sinnvoll
Integration mehrerer Systeme kritisch Custom sinnvoll
Datenschutz erfordert Kontrolle Custom sinnvoll
Zeitersparnis > 30.000 €/Jahr möglich Custom prüfen

Wann Individualsoftware Sinn macht

Nicht als Verkaufsargument. Sondern als ehrliche Einschätzung:

1. Ihr Kernprozess ist einzigartig

Nicht „ein bisschen anders" – sondern fundamental anders als Standardlösungen es abbilden können.

2. Integration ist geschäftskritisch

Mehrere Systeme müssen in Echtzeit kommunizieren. Manuelle Übertragung kostet mehr als 20.000 €/Jahr an Arbeitszeit oder Fehlern.

3. Sie skalieren mit konstantem Prozess

Der Prozess ist stabil, funktioniert, und Sie brauchen ihn 10x schneller oder für 10x mehr Volumen.

4. Datenkontrolle ist nicht verhandelbar

Branchenregulierung, Kundenvorgaben oder interne Policy erfordern volle Kontrolle über Infrastruktur und Daten.

5. Der ROI ist klar berechenbar

Sie können vor Projektstart sagen: „Diese Software spart uns X Euro pro Jahr" – und X ist grösser als die jährlichen Gesamtkosten.

Fazit: Die ehrliche Empfehlung

Wenn Sie diesen Artikel lesen und bei mehr als zwei Punkten gedacht haben „Das trifft auf uns zu" – dann ist Individualsoftware wahrscheinlich nicht der richtige nächste Schritt.

Dann machen Sie stattdessen:
  1. Prozesse dokumentieren und stabilisieren
  2. SaaS-Tools systematisch evaluieren
  3. Engstellen identifizieren und einzeln automatisieren
  4. Budget aufbauen für den richtigen Zeitpunkt

Individualsoftware ist kein Upgrade.
Es ist eine Infrastrukturentscheidung mit 5–10 Jahren Auswirkung.

Wer das versteht und trotzdem sagt: „Wir brauchen das, weil unser Prozess einzigartig ist, wir die Zahlen kennen, und wir bereit sind" – mit denen arbeiten wir gerne.

Alle anderen beraten wir ehrlich zu Alternativen. Auch wenn das heisst, dass kein Auftrag entsteht.

Dieser Artikel spiegelt 20 Jahre Erfahrung im Bau von Geschäftssoftware wider. Er ist keine Verkaufsargumentation – sondern eine Entscheidungshilfe.

Nicht sicher, was zu Ihnen passt?

In einem kostenlosen 30-Minuten-Gespräch geben wir Ihnen eine ehrliche Einschätzung, ob Individualsoftware für Ihren Fall sinnvoll ist. Manchmal empfehlen wir auch Alternativen.

Kostenlose Erstberatung
UB

upbyte Team

Dieser Artikel basiert auf unserer Erfahrung aus über 100 Beratungsgesprächen pro Jahr. Als Familienunternehmen in dritter Generation setzen wir auf langfristige Beziehungen statt auf schnelle Abschlüsse. Seit 1919 im Kundenservice – seit 2005 digital.